Protokoll 25. Mai 2002

Anwesend von sibirischer Seite:
Herr Vize-Gouverneur S. F. Brilka, Gebietsadministration Irkutsk, Irkutsk

Anwesend von deutscher Seite:
Herr OAR H. Neubauer, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn

Präambel

Nach dem Besuch des Sibirischen Abkommens mit Gouverneuren und Vertretern aus 20 sibirischen Regionen im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Berlin, im Juni 2000, kamen beide Seiten überein, die für die sibirische Seite dringend notwendige Fort- und Weiterbildung von Führungskräften aus der Bauwirtschaft fortzusetzen.

Die sibirische Seite stützt sich auch auf die Schwerpunkte, die im Rahmen der laufenden bilateralen Regierungskonsultationen zwischen Russland und der Bundesrepublik Deutschland gesehen werden, um diese für die sibirischen Regionen zu erfüllen. Dazu gehört insbesondere die weitere Entwicklung der Holzwirtschaft, die mit Blick auf die grossen Ressourcen von essentieller Bedeutung sind. Das Sibirische Abkommen und der Oblast Irkutsk begrüssen daher sehr das vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn, entwickelte Konzept für die Fort- und Weiterbildung von Führungskräften aus der sibirischen Holzwirtschaft. Der Oblast Irkutsk wird in Abstimmung mit dem Sibirischen Abkommen versuchen, die nachfolgend beschriebenen Ziele in den Folgejahren umzusetzen. Die mehrjährige Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem mit der Umsetzung der Fort- und Weiterbildungsmassnahmen beauftragten Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung soll damit ihren weiteren Ausdruck finden, verbunden mit dem dringenden Wunsch der sibirischen Seite zur weiteren Unterstützung durch die deutsche Seite.

Ergebnisse der gemeinsamen Gespräche

  1. Die überaus grosse wirtschaftliche Bedeutung der weiteren Entwicklung der sibirischen Holzwirtschaft setzt vor allem den Austausch von Wissen und Kenntnissen der gesamten Bearbeitungskette vom Ernten über Sägen - Trocknen - Konfektionieren bis hin zum Halbfabrikat, Bauteil, Möbelstück, Holzbau voraus. Dazu unabdingbar sind eine qualifizierte Fort- und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften sowie die Ausstattung der Betriebe mit der Ausrüstung von Maschinen neuester Technologien.
  2. Schwerpunkte der Fort- und Weiterbildung sollten insbesondere sein:
    Vertiefte Kenntnisse im ökologisch-ökonomischen Waldbau und der zugehörigen Forstwirtschaft
    Aufbau, Organisation und Führung von bevorzugt mittelständisch strukturierten Holzverarbeitungsbetrieben
    Qualitätsansprüche an Holz als Rohstoff zur Herstellung von Halb- und Fertigfabrikate
    Der Einsatz von Holz in Bauelementen (Türen, Fenster, Treppen, Wand-, Decken-, Dachelemente, Fassaden usw.)
    Die Verwertung von Schwachholz und Holzabfällen (Rinde, Sägemehl, Hobelspäne, Holzverschnitt usw.) unter anderem zur Energiegewinnung (Heizwärme, Prozessdampf, elektrischer Strom)
    Konstruktionsgrundlagen und Architektur im Holzbau (Objekt- und Wohnhausbau)
    Aus- und Weiterbildung in handwerklichen Berufen des Holzhandwerkes
    Entwicklung von Marketing- und Verkaufsstrategien zum Aufbau und zur Erschliessung sowohl des lokalen sibirischen Marktes als auch von relevanten Exportmärkten.
  3. Die Durchführung der Fort- und Weiterbildung soll unter der Federführung des Berufsförderungswerkes BAU, Dortmund, unter Einbeziehung der Verbände des Bayerischen Zimmerer- und Holzbaugewerbes, der Deutschen Gesellschaft für Holzforschung und der INDUSTRIE-BERATUNG Bensheim erfolgen. Für 10 Teilnehmer ist für Ende September/Anfang Oktober 2002 ein dreiwöchiges Seminar vorgesehen.
  4. a)
    Um einerseits die Nachhaltigkeit der Massnahmen zur Fort- und Weiterbildung sicherzustellen und andererseits vor Ort sowohl die technologische Weiterentwicklung als auch die praktische Umsetzung von Wissen und Können zu ermöglichen, wird der Aufbau und Betrieb eines Baikal-Holzbau-Zentrums (Innovation und Kompetenz in "HOLZ") in Irkutsk für dringend erforderlich gehalten. Das Baikal-Holzbau-Zentrum soll zwangsläufig überregionalen Charakter haben.
    Der Oblast Irkutsk wird sich darum bemühen, hierfür öffentliche Mittel sowohl aus dem Oblast- als auch aus dem Föderalbudget einsetzen zu können. Von deutscher Seite werden Möglichkeiten der Förderung durch Zuschüsse aus Bundesmitteln geprüft. Zusätzlich sollen deutsche Unternehmen aus der Holzbwirtschaft als Investoren gewonnen werden.

    b) Der Betrieb und Unterhalt des Baikal-Holzbau-Zentrums soll sich durch Zuschüsse von regionalen und überregionalen Unternehmen aus der Holzwirtschaft der sibirischen Regionen, sowie aus Einnahmen, die aus Fort- und Weiterbildungsmassnahmen vor Ort erfolgen, finanzieren.
  5. Die deutsche Seite wird sich intensiv bemühen, im Anschluss an das Seminar (siehe Punkt 3.) weitere deutsche Unternehmen und Organisationen aus der Holzwirtschaft als Referenten für die vom 29.11. bis 01.11.02 in Irkutsk stattfindende Holzfachmesse zu gewinnen. Die sibirische Seite wird einen entsprechenden Fachkongress zu ausgesuchten Themen aus dem Holzbereich organisieren.
  6. a) 
    Der im Bauverband Irkutsk eingesetzte CIM-Experte, Dipl.-lng. Johann Dück, wird zusätzlich zu seinen CIM-Aufgaben in die Durchführung der einzelnen Vorhaben eingebunden und entsprechend den Vorgaben des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Bonn und Bauverbandes, Irkutsk, für eine termingerechte Abwicklung sorgen. Damit ein kontinuierlicher, termingerechter Arbeitsablauf gewährleistet bleibt, werden bei Abwesenheit des CIM-Experten (Dienstreisen, Urlaub usw.) die deutschsprachigen Angestellten des DlZ-Irkutsk in enger Zusammenarbeit mit dem Bauverband für die zeitnahe Abwicklung des Schriftverkehrs sorgen.

    b) Mit Blick auf das Protokoll vom 21. Mai 2001 wird sich der CIM-Experte J. Dück mit allen Beteiligten der sibirischen und deutschen Seite bemühen, die noch offenen Projektfragen zu klären, damit eine abschließende Entscheidung zu den Projekten im laufenden Kalenderjahr herbeigeführt werden kann.

Irkutsk, den 25. Mai 2002

 

Unterschriften:

Für die sibirische Seite: Der Vize-Gouverneur des Irkutsker Gebietes, gez. S. F. Brilka

Für die deutsche Seite: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn, gez. Helmut Neubauer

 
 

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2002-08-11